Disability Studies in Deutschland

Projekt: Geschichte des niedersächsischen Behindertensports

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Projektname:

Geschichte des niedersächsischen Behindertensports

Träger:

Behinderten-Sportverband Niedersachsen / Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte Hoya

Projektbeschreibung:Es gibt keine bislang Geschichte des Behindertensports; das Projekt des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen ist somit ein Pilotprojekt, das Grundlage bilden soll für eine allgemeine Geschichte des Behindertensports. So steht an erster Stelle zunächst das Aufspüren und die Sammlung, Aufarbeitung und Analyse von Quellenmaterial. Gearbeitet wird mit Verbands- und Vereinsarchiven, Privatarchiven, internen Publikationen der jeweiligen Organisationen und Zeitzeugenbefragungen.
Seit mehr als 100 Jahren haben unterschiedliche Gruppen von behinderten Menschen aus verschiedenen Gründen und mit unterschiedlichem Hintergrund Sport betrieben bzw. wurden dazu genötigt: Sport / Turnen in Taubstummenanstalten und Gehörlosensportvereinen, Sport in Blindensportvereinen, Sportgruppen in (autonomen) Zivilbeschädigtengruppen, Sport in "Sonderschulen" und in der "Krüppelfürsorge", Sport in den Behindertengruppen der Hitlerjugend und in der Deutschen Arbeitsfront, Sport der Kriegsversehrten des 1. und 2.Weltkrieges, um nur einige zu nennen.
Grundsätzliche Themen des Projekten sind zunächst, nach Organisationsstrukturen, sozialer Zugehörigkeit und Funktionsweisen derartiger Sport(gruppen)zu fragen. Wer hat wie und aus welchem Grund "Behindertensport" betrieben und organisiert? Hat(te) Sport hier z.B. eine sozial integrative oder eine autonomiebezogene Funktion? Oder steht lediglich die bloße gesellschaftlich geforderte medizinische Rehabilitation dahinter mit dem Hintergrund, besser (wieder) in den Arbeitsprozess einbezogen zu werden? Welche Rolle spielen die jeweiligen gesellschaftlichen Sport- und Körpervorbilder? Wie wurde mit sportlich, kulturell und gesellschaftlich definierten Größen wie Leistung, Fortschritt und Rekord umgegangen? Welche Rollen übernahmen die jeweiligen historischen politischen (zB NS-Organisationen vor 1945, VdK und Reichsbund nach 1945) und sportlichen (zB Deutsche Turnerschaft vor 1936, Deutscher Sportbund nach 1950)Institutionen, in denen der Sport von Behinderten eingebettet bzw. von denen er bestimmt wurde?
Denkt man beispielsweise an die unterschiedlichen Gruppen, die nach 1945 im Rahmen der Versehrtensportvereine und -verbände Sport betrieben (Zivilbeschädigte, Kriegsversehrte, Unfallversehrte), so stellen sich nicht nur Fragen nach dem internen Umgang völlig verschiedener Gruppen miteinander, sondern auch Fragen nach der politischen Vergangenheitsbewältigung zB der kriegsversehrten Sportler, von denen nicht wenige in der SS oder in anderen NS-organisationen waren und erst über eine Kriegsverletzung in den Kreis der Behindertensportler gestoßen sind und ihn lange Jahrzehnte maßgeblich beeinflußt haben. Wie vollzog sich unter dieser Fragestellung die Entwicklung von einer reaktionären Sportgruppe von versehrten Kriegsveteranen zum modernen Deutschen Behindertensportverband mit seiner gesellschaftlich integrativen Wirkung?




Diese Information stammt von Bernd Wedemeyer-Kolwe (nichtbehindert), wedemeyer@01019freenet.de.



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Kommentare
Petro Petro
10.07.2007
hi, hi, hi! Beautiful site.

Petro Petro
04.07.2007
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