Disability Studies in Deutschland

Das Disability Studies Projekt von bifos e.V.

Das Projekt "Aufklärung über Disability Studies" des bifos e.V. will einen grundlegenden Beitrag zur Information über und Verbreitung von Disability Studies leisten, um diesen internationalen Wissenschaftsansatz auch in Deutschland bekannter zu machen. Mit unserem Internetangebot wollen wir Ihnen die Möglichkeit bieten, selbst Informationen über Literatur, Projekte oder Veranstaltungen im Bereich der Disability Studies einzugeben oder diese per Suchfunktion abzurufen. Angesprochen sind alle interessierten Menschen, die sich den Prinzipien der Disability Studies verpflichtet fühlen oder die sich darüber näher informieren möchten.

Durch die folgenden Angebote zu Disability Studies sollen Information, Austausch und Vernetzung von Wissenschaftler/inne/n, Politiker/inne/n und Praktiker/inne/n unterstützt werden:

In den verschiedenen Teilbereichen können Sie als Nutzer/innen dieses Angebots selbst Literatur zu Disability Studies in die Datenbank einstellen sowie Projekte und Veranstaltungen im diesem Bereich vorstellen aber auch nach Literatur, Projekten und Veranstaltungen im Bereich Disability Studies in Deutschland suchen.

Um einordnen zu können, ob und welche Texte, Projekte und Veranstaltungen in die Datenbanken eingegeben werden können, lesen Sie bitte folgende Kriterien durch.


Was wird als Disability Studies bezeichnet?

Behinderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt diskutieren seit vielen Jahren, was unter Disability Studies zu verstehen ist. In Anlehnung an die, in einem Text der Amerikanerin Carol Gill*, treffend zusammengefassten Antworten auf die FAQ (frequently asked questions) verstehen wir unter Disability Studies folgendes:

  1. Grundlage von Forschung und Lehre der Disability Studies ist das soziale Modell von Behinderung. Behinderung wird hierbei nicht als ein festgeschriebenes individuelles Merkmal sondern als sozial verliehener Status verstanden.
  2. Was Behinderung ist, wird in jeder Gesellschaft durch ein komplexes Zusammenspiel politischer, ökonomischer Kräfte und kultureller Werte festgelegt. Die Disability Studies sind interdisziplinär, d.h. dass die Konstruktion von Behinderung nicht nur aus dem Blickwinkel von Pädagog/inne/n oder Mediziner/inne/n sondern auch aus der Sicht anderer Fachrichtungen wie z.B. Soziologie, Jura, Geschichts-, Literatur-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften untersucht wird.
  3. Auch wenn sich manche Disability Studies Untersuchungen möglicherweise auf eine bestimmte Art von Behinderung konzentrieren, arbeiten die Disability Studies (als Schlussfolgerung aus dem sozialen Modell von Behinderung) grundsätzlich mit einem behinderungsübergreifenden Ansatz.
  4. Der Fokus liegt in erster Linie nicht auf dem Individuum selbst sondern auf dem sozialen/politischen/ökonomischen/kulturellen Kontext in dem Behinderung steht und der die Erfahrungen und das Leben von Menschen mit Behinderung prägt.
  5. Das Ziel von Disability Studies liegt nicht in der Vermeidung, Verbesserung oder Heilung einer Beeinträchtigung sondern in der kritischen Analyse der sozialen Prozesse von Behinderung. Diese Analyse soll nicht zu Erkenntnissen über die Korrektur des behinderten Menschen oder seiner Körperlichkeit führen sondern Wege aus unterdrückerischen, ausgrenzenden sozialen Systemen und Prozessen aufzeigen.
  6. Disability Studies thematisieren die schon lange währende soziale Unterdrückung der Gemeinschaft behinderter Menschen, und sollen sowohl die Verbände behinderter Menschen wie auch einzelne Betroffene stärken. Forschung und Lehre müssen die Sichtweisen behinderter Menschen in ihren Mittelpunkt stellen.

Was wird nicht als Disability Studies bezeichnet?

Forschung und Lehre, die die Beschreibung und Behandlung physischer oder psychischer Beeinträchtigungen in den Mittelpunkt stellen, werden als traditionelle Wissenschaft und nicht als Disability Studies betrachtet. Auf der Basis langjähriger, international geführter Diskussionen zwischen Wissenschaftler/inne/n, die versuchen, die Grenzen von Disability Studies festzulegen, werden Forschung, Lehre und Projekte dann nicht als Disability Studies bezeichnet,

  1. wenn der Zustand oder das Funktionieren eines Menschen stärker im Blickfeld der Auseinandersetzung steht als der sozialpolitische Kontext in dem der behinderte Mensch lebt.
  2. wenn das Ziel der Forschung / der Veranstaltung / des Projektes eher in der Heilung, Verhinderung oder Veränderung einer Beeinträchtigung als in der Veränderung behindernder Sozialsysteme oder –strukturen liegt.
  3. wenn die Arbeit eher körperliche oder psychische Aspekte als Forschungsgegenstand herausgreift statt die komplexen Beziehungen zwischen dem Phänomen der Behinderung und beeinflussenden gesellschaftlichen Faktoren zu betrachten.
  4. wenn die Sichtweisen behinderter Menschen keinen Einfluss auf die Arbeit haben.

(*In Anlehnung an: Gill, Carol: Disability Studies: Looking at the FAQ`s. In: Alert. Newsletter of the Institute on Disability Studies and Human Development. University of Illinois at Chicago. Volume 9 (3), Spring 1998)

 
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